Aktuelles
26.02.2026

Der Stockente unter die Schwingen greifen – Einsatz von Nisthilfen am Mühlenteich

Lebens­raum­ver­bes­se­rungen im Gutswald Rodenwalde

Die ersten Sonnen­strahlen, das einset­zende Tauwetter und Wetter­vor­her­sagen mit bis zu 16 Grad stimmen manchen von uns schon gar frühlingshaft. Auch bei unseren Stock­enten (Anas platy­r­hynchos) setzen die Frühlings­ge­fühle ein und die Reihzeit beginnt. Von Ende Februar bis in den März bilden sich die Paare unserer heimi­schen Entenart. Hierzu einige fachliche Anmer­kungen am Rande. Der Name der Stockente kommt im überlie­ferten Sinne aus der Eigen­schaft, dass sie gerne in auf den Stock gesetzten Weiden brütet. Die Paarungszeit wird auch Reihzeit genannt, eines der vielen Balzri­tuale sind die Reihen­flüge mehrerer Erpel hinter einer Ente. Weiterhin kämpfen häufig mehrere Erpel um die Gunst einer Ente und nicht häufig kommt es zu loser Verpaarung, hierbei ist es nicht ungewöhnlich, dass sich eine Ente mit mehreren Erpeln verpaart. Durch eine Vielzahl dieser Balzri­tuale nehmen wir gerade in diesen Monaten die Stockente vermehrt wahr. Früher wurde Sie auch häufig als Märzente bezeichnet.

Diese Entenart ist die häufigste Entenart auf der nördlichen Halbkugel und kommt im gesamten europäi­schen Raum vor. Sie ist die Urform der Hausenten und wird heute noch zur Blutauf­fri­schung genutzt. Durch ihr omnivores Fress­ver­halten hat die Stockente sich ebenfalls als Kultur­folger hervor­getan und ist dem Menschen in Städte und Parks gefolgt. So könnte man davon ausgehen, dass wir uns um den Fortbe­stand dieser Art und seine Bruter­folge eigentlich keine Sorgen machen müssten. Der derzeitige Gesamt­be­stand in Deutschland liegt bei 190.000 bis 345.000 Brutpaare (Sudholdt et al. 2013). Wenn wir aber die Jagdstrecke als Indikator für die Besatz Entwicklung unserer Stockente nehmen gibt es auch auf unserer Seite Handlungsbedarf.

Strecken­zahlen Stockente
Quelle: DJV

Aber Blicken wir zurück. Als ich 2020 die Betriebs­führung in der Stiftung Wald und Wild übernommen habe, konnten wir leider nur einen sehr geringen Besatz der Stockente auf den im Revier liegenden Wasser­flächen feststellen. Der Lebensraum mit offenen Fließ­ge­wässern, der angestaute Mühlen­teich und die damit einher­ge­henden Biotope sind ein optimaler Lebensraum für diverse Enten­arten. Die geringen Bestände der Stockente führten wir auf eine massive Gelege­prädation zurück.

Hier war also erhöhter Handlungs­bedarf und wir haben in den letzten Jahren das Präda­to­ren­ma­nagement drastisch verschärft. Mittler­weile sind 35 Leben­fang­fal­len­systeme instal­liert worden. Zusätzlich arbeiten wir mit Marder­fang­bunkern, um auch hier die Präda­to­ren­dichte im Revier auf einem möglichst geringen Niveau zu halten. Der wohl am häufigsten vorkom­mende und gleich­zeitig aktivste Gelege­prädator, ist unser invasiver Neubürger, der Waschbär (Procyon lotor).

Jagdstrecken Entwicklung Waschbär in den letzten 20 Jahren.
Quelle: DJV

Dieser bundes­ein­heit­liche Trend zeigt sich auch bei uns im Revier, der Waschbär ist der am häufigsten vorkom­mende Prädator und liegt mit einem Anteil von über 50% der gesamten Raubwild­strecke weit vorne. In den letzten sechs Jagdjahren kamen auf 727 ha Jagdfläche 650 Wasch­bären zur Strecke. Im laufenden Jagdjahr konnten wir erstmals deutliche Erfolge verbuchen. Einer­seits mit einem Rückgang der Strecke, anderer­seits mit einer deutlichen Verän­derung des Geschlech­ter­ver­hält­nisses bei den Fängen. So waren die ersten fünf Jahre mit 78–93 % männlichen gefan­genen Wasch­bären sehr prägnant. Dieses Jahr sind wir bei aktuell 63% männlichen Wasch­bären auf einer Gesamt­strecke von 86 Wasch­bären. Zahlen die deutlich für sich sprechen. Auch auf kleinem Raum können hier große Erfolge erzielt werden. Nicht zuletzt sprechen auch erfolg­reiche Bruten bei Rohrdommel und Schwarz­storch in unserem Revier für sich.

Abb.1 Jahres­strecken im Gutswald in den letzten fünf Jahren. Links aufge­führt sind die instal­lierten Fangsysteme im Revier.

Neben der inten­siven Präda­to­ren­be­jagung haben wir ebenfalls verschiedene Brut- und Nistmög­lich­keiten für die Stockente getestet. Hierbei wurden unter­schied­liche Modelle einge­setzt. In den letzten Jahren hat sich das South Dakota Hen House als geeignete Nisthilfe heraus­ge­stellt. Dieser, einen Meter lange Drahtkorb, gefüllt mit Heu und Stroh, bietet der Stockente einen perfekten Nistplatz und schützt sie zu nahezu 100% vor Prädation. Durch seinen geringen Durch­messer von ca. 28cm ist es Raben­vögeln nicht möglich in diese Nisthilfe einzu­dringen. Auch andere raubsäu­gende Präda­toren und Ratten kommen, aufgrund des glatten Stahl­rohres nicht an die ca. einen Meter über dem Wasser­spiegel instal­lierte Nisthilfe. Wir haben in einem kleinen Teich von weniger als 1000m² drei Nisthilfen instal­liert und den Bruterfolg der letzten Jahre hier sehr deutlich beobachten können. Die ersten Gelege wurden bereits immer Ende März angelegt.

Ende März ist auch unsere Vegetation noch nicht so weit und die natür­lichen Nistplätze haben weniger Deckung und werden somit auch von Beute­greifern aus der Luft, wie Kolkrabe, Raben­krähe und Rohrweihe deutlich häufiger prädiert. Wir instal­lierten im Folgenden insgesamt acht dieser Nisthilfen und konnten uns bereits Anfang April vergan­genen Jahres über eine 100%ige Belegung freuen. Die drei Nisthilfen am Mühlen­teich waren in Summe jeweils drei Mal belegt. Hier hatten mehrere Enten ihre Nachgelege ebenfalls im Mai und Juni platziert. Dies hat uns bestärkt, proaktiv zu handeln und noch mehr Nistmög­lich­keiten im Bereich des Mühlen­teiches zu instal­lieren. Dies soll zu einem wesent­lichen Mittel des passiven Präda­to­ren­ma­nag­ments zählen und unsere Besätze der Stockente nachhaltig unter­stützen. Die erste Brut ist, wie bei den meisten Vögeln, die zahlen­mäßig stärkste Brut und somit für einen guten Bestand unerlässlich.

Ihr seid nun ebenfalls motiviert eueren Enten etwas unter die Schwingen zu greifen? Einen sehr guten Artikel und eine detail­lierte Bauan­leitung hat der Kollege Revier­jagd­meister R.v.Fürstenberg geschrieben. Den Artikel findet ihr unter
https://jagdschule-vonfuerstenberg.de/entenbruthilfe-fuer-stockenten

Hier ist nicht nur die genaue Bauan­leitung zu finden, sondern ebenfalls vielerlei praktische Tipps zum Aufstellen des South Dakota Hen House.

Die Witterung in diesem Winter spielte uns in die Karten und wir konnten, dank des Dauer­frostes die Eisflächen betreten und die Nisthilfen mit relativ geringem Aufwand ausbringen. Im Gutswald und auf den zum Revier der Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern gehörigen Wasser­flächen, konnten wir unserer Märzente 55 Nisthilfen zur Verfügung stellen.

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