Der Stockente unter die Schwingen greifen – Einsatz von Nisthilfen am Mühlenteich
Lebensraumverbesserungen im Gutswald Rodenwalde

Die ersten Sonnenstrahlen, das einsetzende Tauwetter und Wettervorhersagen mit bis zu 16 Grad stimmen manchen von uns schon gar frühlingshaft. Auch bei unseren Stockenten (Anas platyrhynchos) setzen die Frühlingsgefühle ein und die Reihzeit beginnt. Von Ende Februar bis in den März bilden sich die Paare unserer heimischen Entenart. Hierzu einige fachliche Anmerkungen am Rande. Der Name der Stockente kommt im überlieferten Sinne aus der Eigenschaft, dass sie gerne in auf den Stock gesetzten Weiden brütet. Die Paarungszeit wird auch Reihzeit genannt, eines der vielen Balzrituale sind die Reihenflüge mehrerer Erpel hinter einer Ente. Weiterhin kämpfen häufig mehrere Erpel um die Gunst einer Ente und nicht häufig kommt es zu loser Verpaarung, hierbei ist es nicht ungewöhnlich, dass sich eine Ente mit mehreren Erpeln verpaart. Durch eine Vielzahl dieser Balzrituale nehmen wir gerade in diesen Monaten die Stockente vermehrt wahr. Früher wurde Sie auch häufig als Märzente bezeichnet.
Diese Entenart ist die häufigste Entenart auf der nördlichen Halbkugel und kommt im gesamten europäischen Raum vor. Sie ist die Urform der Hausenten und wird heute noch zur Blutauffrischung genutzt. Durch ihr omnivores Fressverhalten hat die Stockente sich ebenfalls als Kulturfolger hervorgetan und ist dem Menschen in Städte und Parks gefolgt. So könnte man davon ausgehen, dass wir uns um den Fortbestand dieser Art und seine Bruterfolge eigentlich keine Sorgen machen müssten. Der derzeitige Gesamtbestand in Deutschland liegt bei 190.000 bis 345.000 Brutpaare (Sudholdt et al. 2013). Wenn wir aber die Jagdstrecke als Indikator für die Besatz Entwicklung unserer Stockente nehmen gibt es auch auf unserer Seite Handlungsbedarf.

Quelle: DJV
Aber Blicken wir zurück. Als ich 2020 die Betriebsführung in der Stiftung Wald und Wild übernommen habe, konnten wir leider nur einen sehr geringen Besatz der Stockente auf den im Revier liegenden Wasserflächen feststellen. Der Lebensraum mit offenen Fließgewässern, der angestaute Mühlenteich und die damit einhergehenden Biotope sind ein optimaler Lebensraum für diverse Entenarten. Die geringen Bestände der Stockente führten wir auf eine massive Gelegeprädation zurück.
Hier war also erhöhter Handlungsbedarf und wir haben in den letzten Jahren das Prädatorenmanagement drastisch verschärft. Mittlerweile sind 35 Lebenfangfallensysteme installiert worden. Zusätzlich arbeiten wir mit Marderfangbunkern, um auch hier die Prädatorendichte im Revier auf einem möglichst geringen Niveau zu halten. Der wohl am häufigsten vorkommende und gleichzeitig aktivste Gelegeprädator, ist unser invasiver Neubürger, der Waschbär (Procyon lotor).

Quelle: DJV
Dieser bundeseinheitliche Trend zeigt sich auch bei uns im Revier, der Waschbär ist der am häufigsten vorkommende Prädator und liegt mit einem Anteil von über 50% der gesamten Raubwildstrecke weit vorne. In den letzten sechs Jagdjahren kamen auf 727 ha Jagdfläche 650 Waschbären zur Strecke. Im laufenden Jagdjahr konnten wir erstmals deutliche Erfolge verbuchen. Einerseits mit einem Rückgang der Strecke, andererseits mit einer deutlichen Veränderung des Geschlechterverhältnisses bei den Fängen. So waren die ersten fünf Jahre mit 78–93 % männlichen gefangenen Waschbären sehr prägnant. Dieses Jahr sind wir bei aktuell 63% männlichen Waschbären auf einer Gesamtstrecke von 86 Waschbären. Zahlen die deutlich für sich sprechen. Auch auf kleinem Raum können hier große Erfolge erzielt werden. Nicht zuletzt sprechen auch erfolgreiche Bruten bei Rohrdommel und Schwarzstorch in unserem Revier für sich.
Abb.1 Jahresstrecken im Gutswald in den letzten fünf Jahren. Links aufgeführt sind die installierten Fangsysteme im Revier.
Neben der intensiven Prädatorenbejagung haben wir ebenfalls verschiedene Brut- und Nistmöglichkeiten für die Stockente getestet. Hierbei wurden unterschiedliche Modelle eingesetzt. In den letzten Jahren hat sich das South Dakota Hen House als geeignete Nisthilfe herausgestellt. Dieser, einen Meter lange Drahtkorb, gefüllt mit Heu und Stroh, bietet der Stockente einen perfekten Nistplatz und schützt sie zu nahezu 100% vor Prädation. Durch seinen geringen Durchmesser von ca. 28cm ist es Rabenvögeln nicht möglich in diese Nisthilfe einzudringen. Auch andere raubsäugende Prädatoren und Ratten kommen, aufgrund des glatten Stahlrohres nicht an die ca. einen Meter über dem Wasserspiegel installierte Nisthilfe. Wir haben in einem kleinen Teich von weniger als 1000m² drei Nisthilfen installiert und den Bruterfolg der letzten Jahre hier sehr deutlich beobachten können. Die ersten Gelege wurden bereits immer Ende März angelegt.


Ende März ist auch unsere Vegetation noch nicht so weit und die natürlichen Nistplätze haben weniger Deckung und werden somit auch von Beutegreifern aus der Luft, wie Kolkrabe, Rabenkrähe und Rohrweihe deutlich häufiger prädiert. Wir installierten im Folgenden insgesamt acht dieser Nisthilfen und konnten uns bereits Anfang April vergangenen Jahres über eine 100%ige Belegung freuen. Die drei Nisthilfen am Mühlenteich waren in Summe jeweils drei Mal belegt. Hier hatten mehrere Enten ihre Nachgelege ebenfalls im Mai und Juni platziert. Dies hat uns bestärkt, proaktiv zu handeln und noch mehr Nistmöglichkeiten im Bereich des Mühlenteiches zu installieren. Dies soll zu einem wesentlichen Mittel des passiven Prädatorenmanagments zählen und unsere Besätze der Stockente nachhaltig unterstützen. Die erste Brut ist, wie bei den meisten Vögeln, die zahlenmäßig stärkste Brut und somit für einen guten Bestand unerlässlich.
Ihr seid nun ebenfalls motiviert eueren Enten etwas unter die Schwingen zu greifen? Einen sehr guten Artikel und eine detaillierte Bauanleitung hat der Kollege Revierjagdmeister R.v.Fürstenberg geschrieben. Den Artikel findet ihr unter
https://jagdschule-vonfuerstenberg.de/entenbruthilfe-fuer-stockenten
Hier ist nicht nur die genaue Bauanleitung zu finden, sondern ebenfalls vielerlei praktische Tipps zum Aufstellen des South Dakota Hen House.

Die Witterung in diesem Winter spielte uns in die Karten und wir konnten, dank des Dauerfrostes die Eisflächen betreten und die Nisthilfen mit relativ geringem Aufwand ausbringen. Im Gutswald und auf den zum Revier der Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern gehörigen Wasserflächen, konnten wir unserer Märzente 55 Nisthilfen zur Verfügung stellen.