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14.01.2026

Besatz von Aalen in der Schilde – Ein Beitrag zum Erhalt des Europäi­schen Aals

Die Schilde gehört zum Gewäs­ser­system der Elbe. Als Neben­fluss fließt sie über die Sude in die Elbe. Aufgrund der Fisch­auf­stiegs­anlage an der Wehranlage Geest­hacht wäre eine Durch­gän­gigkeit für wandernde Fisch­arten bis in die Nordsee gegeben. Das ist insbe­sondere für den Europäi­schen Aal (Anguilla anguilla) existen­ziell, da er sich nur natürlich vermehrt, Versuche ihn künstlich nachzu­ziehen, sind bislang erfolglos geblieben.

Beim Aal handelt es sich um eine bemer­kens­werte Fischart. Forscher gehen davon aus, dass sie seit Millionen von Jahren in den Gewässern der Erde leben, die heutige Form des Europäi­schen Aal soll sich vor etwa 40 Millionen Jahren entwi­ckelt haben. Diese Entwicklung ist eng mit der Konti­nen­tal­drift verbunden; die Trennung von Europa und Afrika ermög­lichte die Entstehung der heutigen Atlantik-Popula­tionen. So besteht eine enge Verwandt­schaft zum Ameri­ka­ni­schen Aal (Anguilla rostrata), mit welchem er sich sein Laich­gebiet die Sargas­sosee teilt. Die Sargas­sosee ist ein Meeres­gebiet im Atlantik östlich Floridas. Die Bermuda Inseln liegen in ihrer westlichen Randzone.

Alle Europäi­schen Aale, die in unseren Gewässern vorkommen, stammen aus der Sargas­sosee. Der Europäische Aal pflanzt sich ausschließlich in der Sargas­sosee fort. Wie er sich in den Tiefen des Atlantiks fortpflanzt, ist sein Geheimnis, welches bisher noch nicht gelüftet werden konnte. Angesichts des Alters der Art ist erstaunlich, wie wenig man über den Aal weiß. Bezeich­nen­der­weise sah man die Aallarven im Atlantik bis zum 19. Jahrhundert als eigene Art (plank­to­nisch) an, da sie noch nicht die schlan­gen­artige Körperform aufweisen, sondern weiden­blatt­förmlich sind. Diese Form wandelt sich erst im Laufe der Reise an die europäi­schen Küsten. Diese dauert ca. 3 Jahre und die Aale haben bei der Ankunft nun die typische Aalform (5–7 cm groß), sind dann aber noch durch­sichtig und werden als Glasaal bezeichnet. Die Färbung zum „Gelbaal“ erfolgt während des Aufent­halts in den europäi­schen Gewässern. In früheren Zeiten waren die Glasaale so zahlreich, dass sie als Hühner­futter, zur Düngung der Felder oder zur Herstellung von Klebstoffen genutzt wurden. 

Das Aufkommen der Glasaale ist seither stetig zurück­ge­gangen und ab den 70iger Jahren des letzten Jahrhun­derts um mehr als 90% einge­brochen. Welche Ursachen hier die entschei­dende Rolle spielen, ist ungeklärt. Ob verän­derte Meeres­strö­mungen im Atlantik, Krank­heiten, Fress­feinde, verbaute Gewässer oder die Überfi­schung – sowohl der Glassaale als auch der adulten Aale – haupt­sächlich verant­wortlich sind, ist je nach Inter­es­senlage umstritten. Fakt bleibt leider der Rückgang, was dazu führt, dass der Europäische Aal bedroht und als „criti­cally endan­gered“ auf der inter­na­tio­nalen Roten Liste (IUCN 2008, 2014) einge­stuft ist. Die einzige Entwick­lungsform des Aal, die nicht intensiv (über)fischt wird ist seine erste Lebenszeit als planto­nische Larve. Besonders verherrend wirkt in dieser Situation der Glasaalfang für den illegalen Export in Aalfarmen oder gleich als Glasaal-Delika­tesse. Zumindest dieses Schicksal verbleibt den von der Stiftung in diesem Jahr in die Schilde einge­setzten Aalen erspart.

Die Stiftung hat sich entschlossen den Besatz mit vorge­streckten Aalen von ca. 20–30 cm durch­zu­führen, da die Überle­bens­chancen im Vergleich zu Glasaalen deutlich höher sind. Die Aale werden sich nun für längere Zeit im Gewässer aufhalten und im Alter zwischen 10–15 Jahren – je nach Geschlecht und Wachstum- die Rückkehr in die 6.500 km entfernte Sargas­sosee aufnehmen. Zu dieser Reise wandeln sie sich in die sogenannten Blankaale um. Der Nahrungs-/Verdau­ungs­trakt bildet sich zurück, die Augen vergrößern sich und die Färbung geht ins Silberne. Die weiblichen Aale dürften dann im Regelfall eine Länge bis zu einem Meter (in Ausnah­me­fällen darüber) erreichen die männlichen Aale werden maximal 60 cm lang. Für diese Reise an ihre Geburts­stätte benötigen sie wiederum ca. 3 Jahre. Wie sie sich dorthin orien­tieren, ist ebenso ungeklärt. Der außer­ge­wöhn­liche Geruchssinn – einer der besten im gesamten Tierreich – er wäre in der Lage einen Tropfen Rosenöl in der Wasser­menge des Bodensees zu riechen – wird dabei sicherlich hilfreich sein.

Mit der Ankunft in der Sargas­sosee beginnt mit dem Ablaichen der letzte Lebens­zyklus des Europäi­schen Aals. Wie sich sein Lebens­kreislauf schließt und für seine Nachkommen neu beginnt, bleibt bisher sein Geheimnis, geschützt in den Tiefen der Sargassosee.

Jan Pagels

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