Aktuelles
Foto: Burkhard Stöcker
09.03.2022

Befie­derte und Befellte Helfer beim Waldbau – Vögel und Säugetiere.

Gerade sind wieder einige Stürme übers Land gegangen. Zum wieder­holten Male haben sie hundert­tau­sende Bäume gebrochen oder entwurzelt. Und zum wieder­holten Male disku­tiert man nun wieder wie mit jenen Wäldern umgegangen werden soll bzw. wie man diese Wälder „wieder herstellt“. 

Bei diesem Prozess gibt es viele „befie­derte und befellte Kollegen“, die uns dabei behilflich sein können…

Vögel säen Wälder

Etliche heimische Vogel­arten können auf verschie­denste Arten „Wälder verbreiten“!

Der Eichel­häher ist bei uns wohl der bekann­teste und bedeu­tendste „Wald-Gärtner“: Bis zu 5000 Eicheln oder Bucheckern versteckt jeder Häher jeden Herbst und legt sich damit einen Futter­vorrat für den Winter an. 

Diese Winter­vorrate der Häher werden bewusst an beson­deren Orten deponiert: Waldränder, Wurzel­stubben, Wurzel­teller, umgestürzte Bäume, Waldlich­tungen. Dank dieser markanten Plätze hilft der Häher auch seinem phäno­me­nalen „Wieder­finde-Gedächtnis“ auf die Sprünge – je mehr er wieder­findet desto eher übersteht er den Winter!

Diese markanten Sonder­plätze sind jedoch häufig identisch mit optimalen Keimplätzen der deponierten Waldfrüchte. Je mehr der deponierten Früchte der Häher also nicht wieder­findet desto mehr neue Waldbäume können poten­ziell keimen. Der Eichel­häher hortet also für sich und spendet für den Wald. 

Eichel­häher an Wurzel­stubben – ein beliebter Platz für die Anlage einer Vorrats­kammer – Foto: Burkhard Stöcker

Die Pflanz­leistung von Eichel­hähern können gewaltig sein: Bis über die Hälfte der deponierten Früchte findet der Häher nicht wieder – es können also bis zu 2500 Bäume von einem einzelnen Vogel pro Jahr „gepflanzt“ werden.

Wenn wir uns vor Augen führen, dass wir in Deutschland eine durch­schnitt­liche Dichte von etwa 10 Paaren Eichel­häher pro 100ha haben, ist dies eine Gesamt­pflanz­leistung von ca. 50000 Bäumen/100ha/Jahr. In zehn Jahren sind das 500000 Bäume – ein gewal­tiger Beitrag zu einem natür­lichen Wiederbewaldungsprozess!

Es wird vermutet, dass die rasche Nordwan­derung der Eiche nach der letzten Eiszeit zu einem guten Teil auf den Flug- und Pflanz­fä­hig­keiten der Eichel­häher beruhen.

Früch­te­tra­gende Sträucher – „Hier bin ich“ fürs Vogelauge

Amsel in herbst­licher Vogel­beere – Foto: Burkhard Stöcker

Die leuchtend roten Beeren zahlreicher heimi­scher Sträucher (Vogel­beere, Gemeiner Schneeball, Roter Holunder, Pfaffen­hütchen, Weißdorn, Rote Hecken­kirsche etc.) sind fürs Vogelauge extrem gut wahrnehmbar. Sie wirken als „Leucht­feuer“ und signa­li­sieren den Vögeln „Friss mich, ich bin lecker“. Werden die roten Früchte dann gefressen passiert der innen­lie­gende Samen den Vogeldarm und wird wieder ausge­schieden. Dabei umschließt den keimfä­higen Samen noch zusätzlich ein nährstoff­reicher Kotmantel, der die Keimbe­din­gungen der Samen noch deutlich verbessert – auch hier eine Win-win Situation für Vogel und Pflanze!

Noch erstaun­licher ist jedoch die Leistung des Tannen­hähers in den weiten Nadel­wäldern des Ostens oder den Bergre­gionen der Alpen. Besonders bei der Verbreitung der Zirbel­kiefer kann der Häher poten­ziell enormes leisten. Er ist in der Lage die massiven Samen­schuppen der Zirbel­kiefer aufzu­picken und dann verteilt jeder Häher 50000 – 100000 Samen der Zirbel­kiefer jedes Jahr. Aller­dings findet er bis zu sagen­hafte 80 Prozent der Samen wieder!

Aber selbst wenn auch nur jeder tausendste versteckte Samen keimt wäre dies auch schon ein gewich­tiger Beitrag zur Verbreitung der Zirbelkiefer. 

Es sind aber nicht nur die beiden Häher­arten die in Berg- und Flachland für reiche „Pflanzung“ sorgen.

Zahlreiche weitere gefie­derte Forstleute!

Ringel­taube in herbst­licher Vogel­beere – Foto: Burkhard Stöcker

Dutzende weitere heimische Vogel­arten betei­ligen sich eher im Verbor­genen an der „wunder­samen Gehölz­ver­mehrung“: Mönchs­gras­mücken fressen Holun­der­beeren, Kleiber verstecken Hainbu­chen­samen, Ringel­tauben naschen an Vogelbeeren…apropos Vogel­beere (oder Eberesche): Fast siebzig heimische Vogel­arten fressen die Vitamin‑C reichen Früchte und verteilen dann die Samen während ihrer anschlie­ßenden „Flug- und Sch… ‑route“.

Wie viele Gehölz­samen jedes Jahr von Vögeln verbreitet werden lässt sich nur schwer schätzen – es werden zig Millionen sein!

Auch Säuger sind als „Waldbauern“ aktiv

Auch das fleißige Eichhörnchen versteckt bis zu 10000 Früchte pro Jahr und findet ähnlich wieder Eichel­höher einen großen Teil nicht wieder.

Auch unsere heimi­schen Marder­ar­tigen sind fleißige Beeren­esser: Baum- und Stein­marder nehmen auch gerne Vogel­beeren und auch der Waschbär steht zahlreichen Pflan­zen­samen sehr wohlwollend gegenüber. Ob und welchen Beitrag diese Arten jedoch zur Vermehrung von Gehölzen leisten können ist bislang noch kaum erforscht. 

Auch unsere Schalen­wild­arten fressen sehr gerne Früchte heimi­scher Strauch­arten: Unter früch­te­tra­genden Vogel­beeren versammeln sich bspw. sehr gerne Brunft­rudel und warten begierig auf das Herun­ter­fallen der schmack­haften Früchte. Auch hier passieren die Samen der Vogel­beere dann den Verdau­ungs­trakt und werden über die Hirschlosung wieder keimfähig ausgeschieden.

Burkhard Stöcker

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