Aktuelles
21.05.2020

Ein ausge­fuchstes System …

Foto: Hans-Kristian Sierk
Ein Kunstbau mit einem Kessel und zwei Röhren die jeweils in die Feldmark führen.

… haben wir in den vergan­genen Wochen gleich mehrfach in unserer Stiftungs­insel verbaut. Hierbei handelt es sich um sogenannte Kunstbauten.

Was ist ein Kunstbau?

Ein Kunstbau ist eine künst­liche Bejagungs­hilfe für die im Revier vorkom­menden Präda­toren. Er besteht zumeist aus ein bis zwei Röhren und einem oder zwei Kesseln. Es wird das anpas­sungs­fähige Verhalten des Rotfuchses genutzt. Der Kultur­folger nutzt sämtliche in der Kultur­land­schaft vorkom­menden Drainagen und Übergangs­rohre als Tagesein­stand oder auch zur Aufzucht der Welpen. Dieses Verhalten machen wir uns zunutze und instal­lieren im Revier Kunstbaue zur Bejagung und Anpassung des Präda­to­ren­be­satzes im Revier.

Warum ein Kunstbau?

Der Kunstbau ist ein probates Mittel in der Präda­to­ren­be­jagung. Der Kunstbau ist eine schnelle und tierschutz­ge­rechte Bejagungs­va­riante, die aus einem gut gepflegten Revier nicht wegzu­denken ist. Der gut einge­ar­beitete Erdhund benötigt kaum mehr als eine Minute, um einen Rotfuchs zum Verlassen des Baues zu bewegen. Falls andere Präda­toren wie Marderhund oder Waschbär sich im Bau befinden, ist ein schneller Zugriff durch die einzelnen Bauteile möglich und einer effek­tiven Bejagung steht nichts im Weg.

Foto: Hans-Kristian Sierk
Der Übergangs­kessel sorgt für ausrei­chend Platz im Bau, sodass ein direkter Kontakt von Erdhund und Raubwild häufig durch den Flucht­in­stinkt des Raubwildes vermieden wird. Schlieft der Hund in eine der beiden Röhren zum nächsten Kessel ein, so kann das Raubwild diesen durch die andere Röhre verlassen.

Der Übergangs­kessel sorgt für ausrei­chend Platz im Bau, sodass ein direkter Kontakt von Erdhund und Raubwild häufig durch den Flucht­in­stinkt des Raubwildes vermieden wird. Schlieft der Hund in eine der beiden Röhren zum nächsten Kessel ein, so kann das Raubwild diesen durch die andere Röhre verlassen.

Warum Präda­to­ren­be­jagung?

Wir als Stiftung Wald und Wild haben den Natur­schutz und die Erhaltung einer arten­reichen Natur fest in unseren Stiftungs­zielen verankert. Die Präda­to­ren­be­jagung ist ein unver­zicht­bares Mittel im Bereich des Arten­schutzes. Viele schüt­zens­werten Limikolen brüten in unserem Revier, der Schwarz­storch ist ein gern gesehener Gast und auch sämtlich Nieder­wild­arten atmen bei einer angepassten Präda­to­ren­dichte auf. Nahezu alle Präda­toren sind Kultur­folger und profi­tieren unheimlich von denen, vom Menschen geschaf­fenen, optimalen Lebensbedingungen.

Foto: Fellwechsel GmbH

Aufgrund von Tollwut­im­mu­ni­sierung (1980 – 2008) und das Fehlen von natür­lichen Fress­feinden sind die Besätze von Rotfuchs, Waschbär und Marderhund geradezu durch die Decke geschossen. Heimische Boden­brüter, Singvo­gel­arten und Nieder­wild­arten sind nicht auf solch hohe Prädation einge­stellt und ihre Besätze sinken immer weiter ab.

Weiterhin grassieren in unserer Präda­to­ren­po­pu­lation Milben und Virus­er­kran­kungen wie Räude und Staupe. Dies sind eindeutige Anzeichen für eine vorhandene Überpo­pu­lation. So sind wir, sogar von Geset­zes­wegen dazu verpflichtet, hier eine dem Biotop angepasste Präda­to­ren­dichte wieder­her­zu­stellen. Weiterhin wird so auf die natür­lichste Art und Weise ein Rohstoff für nachhaltige Bekleidung gewonnen.

Aufbau und Standort eines Kunstbaus

Die Wald-Feld Grenze ist ein klassisch gelegener Standort für einen Kunstbau. Aber auch an Entwäs­se­rungs­gräben und in Feldholzinseln ist die Anlage vielver­spre­chend. Wir haben uns für ein Kunstbau auf 75 ha entschieden. So sind genügend Abstände zwischen den einzelnen Bauten vorhanden.

Der Aufbau eines Kunstbaus sollte möglichst so erfolgen, dass dem Prädator genügend Zeit und Platz zum Verlassen des Kunst­baues gegeben werden sollte. Somit werden auch ernst­hafte Ausein­an­der­set­zungen mit dem Erdhund vermieden. In der Praxis stellt sich es so dar, dass wir uns für zwei Systeme entschieden haben. Einmal ganz klassisch zwei Eingänge und ein Kessel. Der Hund schlieft in die eine Röhre ein und der Prädator kann den Bau auf der anderen Seite verlassen. Unser zweites verbautes System besteht aus einem Eingangsrohr, welches in einem zweiten Kessel mündet. Mit der angeschrägten Sechs­eckform des Steins lassen sich verschiedene Bögen und Kurven in die Röhren einbauen. Dies gibt dem Bau einen „natür­lichen Charakter“ und der Wind wird ebenfalls gebrochen. Von dort aus gehen zwei Röhren in den nächsten Kessel über. Hier von erhoffen wir uns, mehrere Stücke Raubwild, bei einer Kontrolle antreffen zu können. Die Röhren sollten mit einer Plane überdeckt werden, um das Versanden der Röhren zu vermeiden. Weiterhin sollte der Kessel mit einer Stange oder Pfahl markiert werden.

Foto: Broschüre Raevegrav der Firma Astrup Cement auf Dänemark
Zu sehen sind verschiedene Aufbau­mög­lich­keiten des Kunst­baues aus Dänemark.
Foto: Hans-Kristian Sierk
Der Eingangs­be­reich des Kunst­baues sollte so natürlich wie möglich gestaltet werden. Ebenfalls sollte ein bisschen Platz geboten werden, denn Malepartus sonnt sich gerne vor dem Bau.
Foto: Hans-Kristian Sierk
Der zweiröhrige Kunstbau wird am Rande eines Feldge­hölzes verlegt.

Bleiben wir gespannt auf die kommende Saison und freuen uns bereits jetzt auf die Erbeutung reifer Bälge mit einem immens wichtigen Beitrag zum Artenschutz.

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