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Foto: Burkhard Stöcker
28.01.2021

Über die Afrika­nische Schweinpest … und darüber hinaus …

Nun ist sie auch bei uns in Deutschland angekommen – die Afrika­nische Schwei­nepest (ASP). Seit Jahren zieht sie über Osteuropa, manchmal langsam, manchmal sprunghaft, westwärts. Dass sie kommen würde, ist seit Jahren klar. Und wie über die ASP disku­tiert wird und welcher hektische Aktio­nismus sich ausbreitet – war auch zu erwarten …

Worüber wir uns aber ausschweigen …

Keine Sau kümmert es jedoch in der aktuellen Situation – dass die Wildschweine da draußen an dieser aggres­siven Seuche „elendigst verrecken“. Die Drohnen­bilder von Wildschwein­kesseln in den Auenwäldern der Oder, in denen die Sauen, eng anein­an­der­ge­ku­schelt, nichts weiter tun als auf den Tod zu warten – werden achsel­zu­ckend zur Kenntnis genommen.

Das gesell­schaftlich tragische Phänomen sind nicht der qualvolle Tod großer Bestände intel­li­genter wildle­bender Säuger – das Schlimme ist die poten­tielle Gefährdung der Hausschwein­be­stände und die vor allem mit den Handels­be­schrän­kungen verbun­denen wirtschaft­lichen Verluste. Völlig verständlich aus Sicht der Schwei­ne­halter und der Landwirtschaft.

Und jetzt wird im Grunde auch einmal wieder deutlich, weshalb man von den ganzen Hauschweinen…“keine Sau mehr zu Gesicht bekommt“. Weil man allein aus veteri­när­hy­gie­ni­schen Gründen einen derar­tigen Aufwand betreiben müßte um Hausschweine überhaupt im Freiland halten zu dürfen … – das man dann auch gleich zur „vollkli­ma­ti­sierten Großka­ser­nierung“ übergehen kann. Oder haben Sie sich schon mal gefragt weshalb man überhaupt keine Hauschweine mehr „so einfach auf der Weide rumgrunzen und ‑bummeln sieht“ – genau aus dem Grund.

Vor wenigen Jahren war das landauf landab überall noch ganz anders. Inzwi­schen sind die gut 27 Millionen (!) Hausschweine, die konti­nu­ierlich „unter uns leben“ aber allesamt „aus dem Auge, aus dem Sinn“. In lebendem Zustand bekommt sie meist nur noch das Betreu­ungs­per­sonal aus Landwirten und Veteri­när­me­di­zinern zu Gesicht. Was mir und uns allen fehlt, wenn einem da draußen in der Landschaft überhaupt keine Haustiere mehr in der Alltäg­lichkeit begegnen steht auch auf einem beson­deren Blatt …

Die Nicht-Inwert­setzung der wilden Schweine …

Die Gefährdung und der Zusam­men­bruch der Wildschwein­be­stände sind also überhaupt nicht das Thema – wieso eigentlich nicht? Gewiss auch deshalb nicht weil es uns seit Jahrzehnten nicht gelungen ist Wild in all seinen Facetten als wirklich relevanten ökono­mi­schen Wert in der Gesell­schaft zu verankern.

Wildtiere sind hübsch und niedlich und irgendwie natürlich schon auch ökolo­gisch wichtig, irgendwie… – vor allem für uns Jäger als begeh­rens­werte Beute – aber ökono­misch wirklich wertvoll und geschätzt?

Wildschwein­fleisch wird seit Jahren eher verschenkt als veredelt – weder an der Imbissbude noch im Sterne­re­staurant steht es oben an! Wildschwein­leder wird kaum überhaupt verar­beitet – oder haben sie schon einmal die volltrendige „Wildschwein-Schwarten-Weste“ im Klamotten-Discounter gesehen? Und die Ökosys­tem­dienst­leis­tungen die Wildschweine erbringen: Boden­lo­ckerung, Keimbeet­ge­staltung, Biotop­ma­nagement, Samen­transport und Co. – hat noch niemand wirklich monetär beziffert. Dabei wäre es extrem spannend diesen Wert einmal den stets gebeets­müh­len­artig wieder­holten landwirt­schaft­lichen Schäden der Wildschweine sachlich gegenüber zu stellen.

Des Weidmanns Traum: Wildschwein­fleisch als kulina­ri­sches Trendprodukt!

Wenn wir bloss die Hälfte der Zeit in der wir an maisstar­renden Kirrungen hockten dafür aufge­bracht hätten uns Gedanken darüber zu machen wie wir mit den Schweinchen nach Schuss, Aufbrechen und Wildkammer sinnig verfahren wollen … – um dieses „Bio²-Fleisch“ sinnig an Frau, Mann und Co. zu bringen?

Dann wären wir jetzt vielleicht schon ein paar Schrittchen weiter – und würden über die ASP mit ganz anderen Vorzeichen diskut­tieren: Die Preise für Schwarz­wild­fleisch würden aktuell explo­dieren, da die riesige bundes­weite kulina­rische Fange­meinde sich aus Angst vor der Afrika­ni­schen Schweinpest für Jahre bevor­raten täte … Tiefkühl­tru­hen­her­steller hätten ruckzuck Liefer­eng­pässe da ja jeder Wildschwein­fleischfan noch eine Zusatz­truhe bräuchte … ganze Gourmet­kol­lektive würden Trauer­bot­schaften im Netz verbreiten und jammernd jene zukünf­tigen Zeiten ohne das wohlschme­ckende „Gourmet­ver­gnügen-Wildschwein­fleisch“ beschwören …

Wir Weidmänner – und Wildfleischverächter

Wir Jäger haben die „Natur­nutzung Jagd“ über zig Jahrzehnte z.T. zum „sakralen Weidwerk hochsti­li­siert und über Hörner­klang und Trophä­en­hul­digung leider zuweilen wesent­liches aus den Augen verloren: Dass Jagd eine biolo­gisch-ökolo­gisch-dynamische Natur­nutzung ist, die unter den drei wesent­lichen Kriterien der Nachhal­tigkeit (ökolo­gisch, ökono­misch, sozial) aller­höchsten Standards genügen kann.

Als beispielhaft für unsere „Wildfleisch­ver­achtung“ empfinde ich seit Jahrzehnten unser kulina­ri­sches Gebaren beim alljähr­lichen Schüs­sel­treiben nach den Drück­jagden: Da treiben wir nicht etwa das Fleisch unseres erlegten „edlen“ Wildes „durch die Schüsseln“, sondern in den meisten Fällen irgend­welche Fleischra­tionen aus der konven­tio­nellen Landwirt­schaft. Oder wie viele Schüs­sel­treiben haben sie schon erlebt auf denen dann auch lokal erweid­werktes Wildfleisch kredenzt wurde? Und was man selbst kaum wertschätzt – kann man natürlich auch kaum überzeugend an den Kunden bringen …

Wir sollten also, wo immer möglich mit gutem Beispiel voran­gehen und versuchen Wildschwein­fleisch in Wert zu setzen. Es wäre doch gelacht, wenn uns das im Zeitalter von Bioladen- und Biofood­trend zukünftig nicht ein bisschen besser gelingen sollte.

Burkhard Stöcker

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