Aktuelles
06.10.2020

Wie gehts dem Wild in unserem Land?

Im Verlaufe der vergan­genen Wochen und Monate wurde vor allem im Zusam­menhang mit dem „witte­rungs­be­dingten, neuar­tigen Waldsterben“ viel über die Einre­gu­lierung von Schalen­wild­be­ständen gesprochen.

Während die Forst- und Waldseite zumeist von überbordend untrag­baren Wildbe­ständen spricht sehen manche Jäger- und Wildfreunde schon das Ende unserer freile­benden Huftier­be­stände gekommen.

Schauen wir uns daher einmal die schnöde Realität der Zahlen aus den vergan­genen Jahrzehnten genauer an – sie sprechen eine recht deutliche Sprache.

Rotwild

Im Jagdjahr 2018/2019 wurde in Mecklenburg-Vorpommern mit exakten 8.200 Stück Rotwild die höchste Strecke seit der Wieder­ver­ei­nigung erzielt. Selbst im „wilden Jagdjahr“ 90 /91 lag die Strecke mit fast 7.600 Stück deutlich darunter. In den neunziger Jahren gingen die Strecken zum Teil bis auf unter 4.500 Stück zurück. Ab der Jahrtau­send­wende stiegen die Strecken dann auf zumeist über 6.000 Stück an, erreichten im Jagdjahr 2012/13 fast 8.000 Stück und fielen danach in keinem Jahr mehr unter die 7000er Marke.

Steigende Jagdstrecken sind zumeist wenn sich nicht in den Jagdprak­tiken und/oder dem Jagdsystem grund­le­gendes ändert schlichte Weiser für steigende Wildbe­stände. Wir haben daher gewiss derzeit in Mecklenburg-Vorpommern den höchsten Rotwild­be­stand seit der Wieder­ver­ei­nigung, ja vielleicht sogar den höchsten Rotwild­be­stand der vergan­genen hundert Jahre.

Der bundes­weite Trend beim Rotwild ist übrigens nahezu identisch: im Jagdjahr 2018/2019 wurden zum ersten Mal insgesamt über 80.000 Stück Rotwild erlegt. Wir haben vermutlich aktuell auch in Deutschland so viel Rotwild wie kaum jemals in der Geschichte.

Damwild

Prinzi­piell eine vergleichbare Entwicklung wie beim Rotwild – „nur mit Punkten auf der Decke“.

Auch hier wurde im Jagdjahr nach der Wende 90/91 „fleißig gejagt“ und zum ersten Mal über 8.000 Stück Wild erlegt. Bis zur Jahrtau­send­wende lag die Strecke dann fast immer unter 7.000 Stück. Im Mille­ni­ums­jagdjahr 2000/01 wurden zum ersten Mal über 9.000 Stück erlegt.

Seit zehn Jahren ist die Strecke beim Damwild nicht mehr unter die 10000er Marke gefallen, lag viermal über 11.000 und dreimal über 12.000 Tieren. Auch hier wurde im vergan­genen Jagdjahr 2018/19 zum ersten Mal die Marke von 13.000 erlegten Stücken Damwild übertroffen.

Auch beim Damwild können wir in Mecklenburg-Vorpommern von einem histo­risch hohen Bestand ausgehen.

Auch der bundes­weite Trend beim Damwild ist hier vergleichbar: schossen wir im Jagdjahr 1989/90 noch knapp über 30.000 Stück Damwild waren es im Rekordjahr 2012/13 fast 69.000 – seitdem ist die Jagdstrecke in keinem Jahr mehr unter die 60.000er Marke gefallen.

Landesweit und bundesweit befinden sich sowohl die Rotwild- als auch die Schwarz­wild­be­stände vermutlich auf Rekord­niveau Foto: Burkhard Stöcker

Schwarzwild

Die Strecken­schwan­kungen bei der Schwarz­wild­be­jagung sind aus mehreren Gründen deutlich gravie­render als bei anderen Schalen­wild­arten. Mecklenburg-Vorpommern gehörte schon immer (anders als bspw. viele andere westliche Bundes­länder) zu den schwarz­wild­reichen Regionen. Schon im Jagdjahr 1990/91 wurden hier fast 47.000 Sauen erlegt. Erst knappe zehn Jahre später wurde jedoch die 47000er Marke geknackt. In den ersten zehn Jahren nach der Jahrtau­send­wende wurden dann fast stets weit über 50.000 Sauen erlegt. Im Jagdjahr 2008/09 gab es einen gravie­rende Sprung nach oben mit dem vorläu­figen Rekord von über 75.000 erlegten Sauen.

In den vergan­genen zehn Jahren wurden dreimal über 60.000 Sauen erlegt, im letzten Jagdjahr wieder über 70.000 und im bishe­rigen Rekordjahr 2017/18 waren es über 85.000. Obwohl zwischen den Jahren gravie­rende Strecken­schwan­kungen liegen ist der positive Trend aber mehr als eindeutig! 

Der bundes­weite Trend ist jedoch noch deutlich schwin­del­erre­gender, da das Wildschwein im Verlaufe der vergan­genen Jahrzehnte erst zahlreiche Regionen des Landes wieder völlig neu besiedelt hat: waren es im Jagdjahr 1989/90 noch keine 230.000 erlegten Sauen schossen wir im bishe­rigen Rekordjahr 2017/2018 fast 837.000 Stück Schwarzwild. Die Strecken steigen seit Jahrzehnten an und auf Rekord­jahre folgt häufig wieder ein Strecken­ein­bruch, dem dann direkt darauf oder bald danach wieder ein neues Rekordjahr folgt. Diese Entwicklung ist garan­tiert noch nicht zu Ende und wir werden im Verlaufe der kommenden Jahre gewiss eine Millio­nen­strecke beim Schwarzwild erzielen!

Die Entwicklung der Schwarz­wild­strecken zeigt vor allem eines: wir nutzen die Wildschwein­be­stände in einem immer höheren Maße!

Von einer wie auch immer gearteten Regulierung oder gar Absenkung der Bestände sind wir bislang meilenweit entfernt – die Zahlen sprechen hier eine eindeutige Sprache! Wir müssen uns dessen auch vor dem Hinter­grund der ASP stets bewusst sein: wir regulieren nicht, wir steuern nicht – wir nutzen lediglich!

Rehwild

Bei unserem kleinen Hirsch tut sich in Mecklenburg-Vorpommern „nicht so schrecklich viel Spannendes“:

Seit knapp vierzig Jahren liegen die Streck­en­er­geb­nisse beim Reh meistens zwischen 40.000 und 60.000 – in den letzten zwanzig Jahren zumeist zwischen 50.000 und 60.000. Mecklenburg-Vorpommern ist eines der ganz wenigen Bundes­länder in denen im Durch­schnitt der letzten zehn Jahre die Rehwild­strecke inzwi­schen unter der Strecke des Schwarz­wildes liegt.

Bezogen auf die bundes­weiten Jagdstrecken werden in Mecklenburg-Vorpommern recht wenig Rehe pro Fläche erlegt – obwohl dieses Bundesland in weiten Teilen ein wunderbar idealer Rehwild­le­bensraum ist.

Es geht Ihnen allen blendend

Unseren vier bedeu­tenden Schalen­wild­arten geht es in Mecklenburg-Vorpommern glänzender denn je. Wir haben bei allen Schalen­wild­arten bezüglich der Nutzung noch viel „Luft nach oben“ und dürften ruhig (zum Wohle von Wald, Landes­kultur und Küche) deutlich beherzter in die Wildbe­stände eingreifen. Mehr jagdliche Freude und mehr Nutzungs­po­tential würden weder dem Wildbe­stand noch uns ernsthaft schaden…

Burkhard Stöcker

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