Aktuelles
23.04.2021

Ein fan(g)tastischer Jahresrückblick

Vor genau einem Jahr haben wir, die Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern, in unserem Gutswald begonnen Maßnahmen und bauliche Einrich­tungen für ein aktives Präda­to­ren­ma­nagment zu installieren. 

Dem Aufbau der Kunstbaue ist bereits der Beitrag „Ein ausge­fuchstes System“ gewidmet worden. Hierzu können wir nach der ersten Saison nur ein kurzes Statement geben. Aus den Kunst­bauten konnten in Summe sieben Füchse gesprengt werden. Hierbei handelte es sich um vier Rüden und drei Fähen, die jeweils alleine auf dem Bau gelegen haben. Wir haben im Revier zwei verschiedene Aufbau­weisen gewählt. Aus dem System mit zwei Kesseln und einem Ausgang sprang nur eine Fähe. Die restlichen Füchse lagen auf Kunst­bauten mit zwei Ausgängen und einem Kessel. Dies soll aber nur als erster Eindruck dienen, eine verläss­liche Aussage lässt sich hier sicher erst nach ein paar Jahren treffen. 

Fangsys­temen im Einsatz 

Wir haben uns für zwei verschiedene Fallen­typen der Firma Krefelder Fuchs­falle entschieden. Einer­seits die klassische Krefelder Fuchs­falle als Beton­rohr­falle mit Wippen­aus­lösung an einem festen Fangplatz für den ständigen Einsatz und die Wasch­bär­falle für den Einsatz als mobile Kasten­falle an mehreren Standorten. 

Aufgrund der hohen Raubwild­dichte in unserem Revier haben wir uns im ersten Jahr dazu entschlossen, erst mit dem Einsetzen der Balgreife mit der Fangjagd zu beginnen. Somit konnten knappe vier Monate Fangjagd mit elf Fallen auf 727 ha Revier­fläche ausgewertet. 

Auf 139 Fangtage gefangene 99 Stücke Wild. 

Mit fast 50 % Anteil an der Fangjagd­strecke dominiert der Waschbär deutlich das Ergebnis. Der Rotfuchs fügt sich mit guten 25 % an. Die verblei­benden 25 % teilen sich marder­ar­tiges Raubwild und Nutria. 

Besonders spannend an der Wasch­bär­strecke ist die extrem hohe Zahl an Rüden. Diese machen mit 41 Individuen den Großteil aus. Hierbei überwiegt der Anteil der adulten Rüden leicht. Beim Rotfuchs und Dachs ist es hingegen komplett ausgeglichen. 

Als Köder wurden Trockenobst, Nieder­wild­ge­scheide und Räucher­fisch verwendet. Nach frischer Beköderung kam es in der direkten Folgenacht zu mehrfach Fängen. In der darauf­fol­genden Nacht, häuften sich diese aller­dings nicht. 

Diese Krefelder ist in einem alten Erlen­streifen positio­niert und verbindet zwei Walstücke mit einander ‑vielleicht der Grund warum sie mit am besten gefangen hat. 

Die Krefelder Fuchs­falle wurde an allen sieben Stand­orten in Randstruk­turen unserer Kultur­land­schaft etabliert. Hier haben wir beispiels­weise natür­liche Erhöhungen, Wälle, Hecken oder andere Grenz­linien angenommen. Diese werden vom Raubwild stark frequen­tiert, sodass wir hier mit guten Fanger­folgen rechnen konnten. Die Krefelder Fuchs­fallen konnten mit 61 gefan­genen Stück Raubwild, im Schnitt knapp 8,7 Stück Raubwild, pro Falle einen wesent­lichen Teil unserer Raubwild­strecke beisteuern. 

Wasch­bär­falle auf einer extra für die Fangjagd errich­teten Brücke. 

Für den mobilen Einsatz haben wir mehrere kleine Brücken im Revier über Gräben platziert, sodass wir hier immer wieder mit den Kasten­fallen auf diesen Brücken fangen können. Gerade invasive Arten wie Waschbär und Nutria nehmen diese sehr gerne an. Die Krefelder Wasch­bär­falle ist extra für den Fang dieser invasiven Räuber konzi­piert worden und besitzt ein Stellrad zum fängisch stellen, welches eine einhändige Bedienung ermög­licht. Nebenbei dient es als Klappen­si­cherung und verhindert somit Fehlfänge. In den vier mobilen Wasch­bär­fallen hat Sie Ihrem Namen alle Ehre gemacht und es haben sich in der zurück­lie­genden Fangsaison 27 Wasch­bären, 6 Nutria, 2 Rotfüchse, 2 Iltisse und 1 Mink gefangen. Mit im Schnitt 9,5 Fängen pro Falle hat sich dieses System mehr als bewährt. 

Zahlen­spiele rund um das Raubwild 

Die Durch­schnitts­ge­wichte liegen bei den Wasch­bären bei 6,27 kg und Rotfüchsen und 6,45 kg wobei der Rüde bei beiden Wildarten im Schnitt 0,5 kg schwerer ist als die Fähe. Der Dachs wiegt im Durschnitt 9,59 kg auch hier ist der Rüde im Schnitt ca. 2 kg schwerer als die Fähe. Über die Jahre werden hier die Zahlen und Ergeb­nisse präziser werden. Weiterhin wurde keine Falle wirklich gemieden, die fängigsten Fallen waren eine Wasch­bär­falle mit 14 Fänge und eine Krefelder Beton­rohr­falle mit 13 Fängen. Auch die am schlechsten frequen­tierte Falle bracht trotz­allem vier Stücke Haarraubwild auf die Strecke. 

Wer geht wann in die Falle? 

Eine kleine Beson­derheit der Saison: Frei nach dem Motto „ein Meister und sein Schüler“ gingen gleich­zeitig ein juveniler und ein adulter Wasch­bärrüde in die Krefelder Waschbärfalle. 

Ein deutlich zu erken­nender Trend zeichnet sich ebenfalls ab, was die Aktivität des Raubwildes in der Nacht angeht. So wurden dreiviertel der Wasch­bären in der zweiten Nacht­hälfte gefangen wohin gegen z. B. der Dachs fast immer in der ersten Nacht­hälfte in die Falle geht. Der Rotfuchs wurde in den Stunden kurz nach und kurz vor Sonnen­un­tergang gefangen. Die anderen Marder­ar­tigen hingegen fingen sich zu meist mitten in der Nacht. 

Mit 91 Stücken Haarraubwild machte die Fallenjagd etwas mehr als 80 % unserer Gesamt­raub­wild­strecke aus und ist in keinem Fall aus dem Revier und dem aktiven Arten­schutz wegzu­denken. Gerade im Bereich der Neozo­nen­be­jagung ist sie ein probates Mittel, wenn man bedenkt, dass die Wasch­bär­strecke im vergan­genen Jagdjahr zu 100 % mit der Falle erzielt worden ist. In diesem Sinne lassen wir Schwarz­storch, Feldlerche und Kiebitz nicht hängen und werden unser Projekt mit Engagement voran­treiben und hoffen wir konnten Ihnen mit diesem kleinen Jahres­rück­blick ein Stück Praxis aus dem Revier näherbringen. 

Viel Erfolg für das kommende Jagdjahr und vergessen Sie nicht: Vor schöner wohnen kommt nicht gefressen werden. 

RJM Hans-Kristian Sierk 

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